Myanmar – für mich das Land des Lächelns. Oder: Warum im Leben manchmal weniger eben doch mehr sein kann

Nachdem ich und Florian nun letztes Jahr schon eine kleine Tour in und durch Vietnam/Kambodscha/Thailand gemacht hatten, haben wir uns im Januar 2013 für Myanmar (Burma) entschieden. Die Frage warum es ausgerechnet Myanmar sein musste gab es kurioserweise irgendwie nie. Die Antworten auf einem warum nicht gab es jedoch bereits vor der Frage. Nein, klingt gar nicht komisch, weil die Antworten eigentlich ganz einfach sind: Weil ich die Zeit habe, die Gesundheit und den Luxus in Form von Geldscheinen besitze. Ersteres und zweites scheint mir dabei die größte Hürde zu sein. Geld ist es nicht, denn so eine Reise kostet nicht so viel das es daran scheitern wird. Versprochen. Mut zu etwas neuem, zu etwas anderem, zu etwas verrückten ist eine Sache die ich erst gar nicht aufzählen werde. Denn entweder du hasst es es, oder du liebst es. Auch mal beides zusammen, gleichzeitig oder getrennt und/oder vermischt. Es ist nicht jedermanns Ding nach z.B. 9 Stunden Busfahrt um 3Uhr nachts in einer fremden Stadt anzukommen, ohne überhaupt zu wissen wo man in der kommenden Nacht schlafen wird. Eine Woche im gleichen Hemd? Lieber nicht? Früh um 04.30Uhr aufstehen, Abgase schnüffeln, Stundenlang auf irgendwelchen Fortbewegungsmittel auf einem Reissack sitzen, rein, raus, losfahren, warten, Dinge erleben, Dinge erkunden, Dinge sehen, fotografieren, ankommen, auspacken, Dinge suchen, sich selbst suchen, Hunger, Durst … einpacken, einsteigen, losfahren. Das soll Urlaub sein? Wohl eher nicht? Dann überlege es dir lieber nochmals ;-) Körperliche Erholung ist das für viele vielleicht nicht gerade, doch geistige … aber dazu später sicher mehr.

Einmal volle Pulle Leben. Hier und jetzt und ungeschminkt. Einfacher als man denkt. Ich habe in der letzten Zeit oft die Worte, beneidenswert, mutig, und abenteuerlich gehört. Letzteres lass ich von mir aus gerne auch mal stehen. Das erste und das zweite ist nicht wirklich von Relevanz. Nicht bei so einer Reise. Ich brauch in Deutschland manchmal mehr Mut als in Burma im Dschungel. Ehrlich, und das meine ich auch so. Mut, das Wort ist für mich in diesem Zusammenhang irgendwie gar nicht wirklich greifbar. Es wäre eher übertrieben eine solche Reise von diesem Wort abhängig machen. Mut bedeutet, dass man sich traut und fähig ist, etwas zu wagen. Aber wollen muss man es auch. Egal was am Ende heraus kommen wird, die Erfahrungen werden mich wohl ein Leben lang begleiten, die Erinnerungen und Gedanken, die Fotos und Videos hoffentlich auch.

Der Luxus bleibt daheim, denn genau den versuche ich bei solchen Reisen definitiv abzulegen. Ein knitterfreies und sauberes T-Shirt, die schicken Klamotten, das tolle Hemd, das tolle Laptop, einen Kamm? Lass es lieber! Eine Küche, bei der du vom Boden vom Essen kannst? Lass es lieber! Bangladesch, eines der aller-ärmsten Länder ist nur ein Steinwurf entfernt. Und obwohl ich selbst noch nie in diesem Land war (kommt bestimmt noch), bin ich mir ziemlich sicher das so manche Küchen dort nicht viel schlimmer sein können. Bangladesch grenzt ja auch direkt an Myanmar an, kein Wunder also. Du musst also Entscheiden, ob du deinen Magen so einen Granateineinschlag aussetzen möchtest, oder eher Bratkartoffel wie bei Mama willst, denn manchmal hast du in Myanmar eben nicht so die große Auswahl an Küchen. Die Sache mit der Küche und dem Boden, die passt schon. Du isst ja auch quasi auf dem oder am Boden, und zwar auf Stühlen die du hier vielleicht eher auf dem Sperrmüll oder – wenn du viel Glück hast – in Kindergärten findest. Ersteres ist wahrscheinlicher. Jeje … ;-) !

Luxus, du brauchst ihn nicht. Nicht in Myanmar. Wozu auch, denn andere haben ihn auch nicht. Ganz gewiss nicht! Begib dich auf eine Ebene mit den Menschen dort und du wirst das alles so erleben wie es wirklich ist. Eben echt und ungeschönt. Wie es eben sein sollte. Je weiter und tiefer es geht, desto echter und authentischer wird es werden. Genau das war unser Ziel. Alles andere ist am Ziel vorbei. Das muss also jeder ganz persönlich für sich selbst entscheiden, was er denn nun genau im Leben möchte. Ich schreibe auf so einer Tour weder E-Mail, noch Postkarten, noch brauche ich Internet. Wozu auch, ich möchte schließlich so weit weg von dem was mich hier täglich umgibt. So weit wie nur irgendwie möglich. So what … also nichts wie weg mit dem Kram. Und ich bin immer wieder aufs neue erstaunt: Manche Dinge vermisst du einfach nicht. Es ist einfach so. Man könnte auch sagen: Je weniger man manchmal hat, desto glücklicher ist man. Klingt einfach, ist es auch. Die liebenden und Zuhause geblieben natürlich ganz außen vor. Klaro! Hätte ich nicht die beste Frau der Welt, würde ich so etwas auch gar nicht machen. Manche Ding fallen eben vom Himmel. Ein fettes Danke – genau hier mal – an das liebe Universum ;)

Es gibt ja Menschen die verfallen immer mehr dem Minimalismus. Weniger ist mehr, und viel ist nur so viel wie wirklich notwendig. Oft ertappe ich mich selbst dabei, wie gut so etwas sein kann. Ist nicht selten wie ein befreiender Rundumschlag durch alle Kategorien des Lebens. Das kann Wunder bewirken. Die berechtigte Frage lautet also: Wozu also der ganze Kram im Leben der uns täglich umgibt? Eine Reise nach Myanmar sollte zu deiner Antwort jedenfalls stark beitragen. Versprochen. Ob du danach allerdings noch mehr Fragen als Antworten hast, steht in einem anderen Kapitel. Sich einfach mal auf das Wesentliche im Leben zu richten fällt jedenfalls so manchen Mitmenschen in Deutschland schon ziemlich schwer und anscheinend immer schwerer. Probleme, Problemchen, oder doch richtige Probleme? Ja, was denn nun!? Ist denn der Kratzer auf dem Luxus-Smartphone oder auf der Luxuskarosse denn wirklich Inhalt deines Lebens? Na? Alles relativ. Das Leben scheint mir nicht zu kurz, jedoch viel zu kurz für so manche Dinge. Je mehr man hat, desto mehr Probleme könnte man auch an sich ziehen. Ich weiß es nicht.

Asien – genauer Südostasien – ist toll. Das Reisen ist wesentlich günstiger als z.B. hier in Deutschland und die Menschen haben immer ein lächeln in der Tasche. Dort bleibt es auch nicht versteckt. Woher es denn nun kommt, weiß ich zwar nicht immer so genau, jedenfalls kostet es ja auch nichts. Ja, bei uns in Deutschland kostet das auch nichts, nur kommt es mir manchmal so vor als würde es was kosten.

Wenn du jemanden ohne Lächeln siehst, schenke ihm Deins.
[Burmesisches Sprichwort]

Die Kombination aus günstig Reisen und ganz fantastische Menschen sind also schon mal zwei ganz fette und große Brocken, die sind echt verdammt schwer und wiegen auch verdammt viel. Das tolle Wetter, die großartige Kultur gepaart mit den vielen Sehenswürdigkeiten und noch vieles mehr … ein Leben würde wohl nicht ausreichen. Ich bleib dabei: Asien, genauer Südostasien ist toll. Wow!

Klar, wenn du hier zwischen 50 und 100$ im Monat zum Leben bekommst – und wie wir feststellen konnten ist das auch ziemlich realistisch- relativiert sich das natürlich alles wieder. Asiatische Länder kämen einem also nicht so günstig vor wenn man nur asiatische Länder kennen würde. Ein Arzt soll um die 500 $ im Monat bekommen. Gelesen hatte ich irgendwo davor das Myanmar mit einem Pro-Kopf-Einkommen von umgerechnet rund 260 $ im Jahr zu den ärmsten Ländern der Welt zählt. Umgerechnet 2€ am Tag bekommt eine einheimische in Bagan beim renovieren einer Pagode. Das sitzt seither im Kopf wie ein Anker auf dem Boden. Die Armut ist quasi permanent zu sehen und auch zu spüren. Ja, manchmal tut es förmlich weh. Sehr sogar. Doch ich kann die Welt nicht retten. Ich muss erstmal mich selbst retten um dann gerne meinen Beitrag leisten zu können. Sehr gerne sogar.

Viel Jubel gab es von allen Menschen in Myanmar als Präsident Obama, als erster US-Präsident überhaupt das Land besuchte. Ja, richtig gelesen, der erste. Dort traf er die Galionsfigur und Heldin Aung San Suu Kyi. „The Hope“ und „Lady“, hatte ich irgendwo mal auf einem Plakat gesehen. Wunderbar! Nichts desto trotz kommt einem das Land manchmal so vor als wäre die Republik der Union Myanmar in der Vergangenheit irgendwie vergessen worden. Die Militärs haben das Land ganz schön ausbluten lassen. Welch ein Jammer. Es liegt jedenfalls eine sehr steinige Zukunft vor diesem Land. Es wird wohl noch einige Generationen dauern bis die Fußfesseln der Militärdiktatur weg sind – und das nicht nur aus Köpfen der Menschen. Wann und wie sich die Situation der Menschenrechte ändern wird, ist ebenfalls noch offen. Myanmar hängt aber immerhin seither in der Rangliste der Pressefreiheit nicht mehr ganz hinten dran. Gut so.

10.01.2013 – mit dem Flieger von Frankfurt über Neu-Delhi, über Bangkok nach Mandalay
Mit Air India gehts es erst mal über Neu-Delhi nach Bangkok. Wir machen uns über diese seltsamen Bollywood Filme lustig … war ja klar! Angekommen in Bangkok und eine völlig planlose Taxifahrt später übernachten wir eine Nacht in einem Hotel. Es gibt bekanntlich viele und günstige hier in Bangkok. Wir ahnen es und wollen uns an so einem Luxus erst gar nicht gewöhnen denn mein Bauch sagt: In Myanmar wird das alles anders. Oh ja …

Auf dem Flug von Bangkok nach Mandalay wurde es spannend. Wie ist es? Wie ist Myanmar? Oder sollte ich besser aus Respekt doch bei Burma bleiben? Wie werden die Menschen in diesem ja doch geschundenen und gebeuteltem Land auf uns Westler reagieren? Bist du doch wieder nur ein Tourist wie eh und je? Oder wird diesmal alles ganz anders? Ich finde keine Antworten auf diese Fragen wie es wohl sein wird, in Burma, das Armenhaus von Südostasien. Jedoch nehme ich mir vor es herausfinden zu wollen. Wir setzen zum Landeanflug an. Das gemischte halbleere Publikum im Flieger schnallt sich an. Still ist es im Flugzeug, es ist ja auch kein Wunder, ist der Ausblick über das ewige flache Land mit den vielen Pagoden in der Abenddämmerung doch so schön. Die Spannung steigt, die Gedanken schweifen … denn Deutschland ist gerade so fern und so weit weg von mir. Ein ganz seltenes Gefühl von Freiheit und Glücklichsein macht sich breit. Wow … !

11.01.2013 – Mandalay (Mandalay-Division)
Power Hotel, 60$/Doppelzimmer mit Frühstück (viel zu teuer, da von Zuhause aus über das Internet gebucht)
Venus Hotel, 25$/Doppelzimmer ohne Frühstück

Wir sind in Mandalay. Mit knapp 1,6 Million Einwohnern ist Mandalay demnach nach Yangon die zweitgrößte Stadt des Landes. Unser erster Eindruck … verhungern werden wir nicht! Es ist kurioserweise genau das was wir auch irgendwie erwartet hatten. Beschreiben ist schwer, probiere es aber dennoch: Die Menschen sind auf eine zurückhaltende aber sehr charmante Art subtil neugierig. Auf eine Art die wir hier in westlichen Ländern so gar nicht kennen, weil es sie in dieser Form einfach schlicht nicht gibt. Jeder schaut und man ist mehr Exot als man vielleicht sein möchte.  Tja, Pech gehabt da müssen wir als Langnasen jetzt durch. Wir wollten es ja nicht anders. Mandalay ist jetzt nicht gerade das Ziel so mancher Pauschaltouristen, was uns nichts ausmacht. Das Gegenteil ist wohl der Fall. Zur Mittagszeit herrschen 29° in Mandalay. Wow! Ein Sommertag in Deutschland, so könnte man denken, wäre da nicht das Datum: Es ist Januar. Von Sommer für die Einheimischen kann hier übrigens keine rede sein. Dicke Wollpullover, lange Ärmel, Winterjacken, lange Hosen sowieso, denn hier ist es schließlich Winter. Frauen sind sowieso eher zugeknöpft und viel bedeckter als in in der westlichen Hemisphäre. Davon ab: In Mandalay geht es im Januar Nachts und in der früh auch gerne auch mal bis 15° und noch weniger runter. Man könnte nun denken, Wow, 15° ist doch toll! Ist es auch, nur wenn du Tagsüber über 30° hast, kommen dir Nachts die 15° plötzlich gar nicht mehr so warm vor. Wie schon erwähnt, es ist auch hier in Myanmar im Januar quasi Winter. Wir freuen uns dennoch auf laue Sommerabende … vieles ist eben wie so oft relativ. Die Stimmung ist sehr gut, und wir köpfen erstmal einen einheimischen Whiskey. Der kostet ja auch quasi nichts und schmeckt auch wirklich sehr sehr mild. Prost! ;)

Ich hatte eine alte Winterjacke dabei. „Alt“ ist gut. Da wir eher auf dem leicht und weniger ist mehr trip unterwegs sind, dachte ich mir das ich die Jacke irgendwo in Frankfurt in die Tonne kloppe. Oder doch besser verschenken? Doch finde mal jemanden im Frankfurter Flughafen der eine Winterjacke geschenkt haben möchte. Gar nicht mal so einfach! Einem Menschen in Myanmar eine hochwertige Jacke von Esprit in die Hand zu drücken erschien mir dann noch viel sinnvoller. Gedacht, getan. Jacke also mit nach Mandalay genommen. Der typische Backpackerrucksack ist schließlich noch halb leer. Da geht noch ne Menge Geraffel rein. Schließlich wollen ja immer die daheim gebliebenen irgendwas haben, pff. Gut, macht man ja auch gerne. Denn wer weiß schon ob das Mitbringsel auch einem noch in 50 Jahren große Freude bereitet.

Zurück zur Jacke. Doch halt, verschenken ist nicht. Nicht in Myanmar. Je ärmer das Land desto geiziger mein Verhalten. Keine Ahnung woher das kommt. In den Dos and Don´t for tourists  steht´s  geschrieben: Verschenke keinen Fisch, sondern lerne das Angeln. Zwar lerne ich keinen das Angeln, aber die Mofataxi-fahrt vom Venus Hotel zum Bootsanleger auf dem Irrawaddy muss heraus springen. Sprang auch. Möge dich diese Jacke noch lange wärmen. Danke übrigens an Marco für das Geschenk ;).

Auch wir im Westen wissen es nur zu gut. Nichts da draußen ist umsonst, und die Dinge die es sind, wären mit Geld wohl eher nicht zu begleichen. Betteln ist so eine Sache. Auch wenn ich es wollen würde, retten kann ich den Planeten leider nicht. Geld gibt es sowieso keines. Als Beispiel: jedes hier gezeigte Bild entstand ohne Geld. Auf gar keinen Fall gibt es Geld dafür. Es gibt Stifte, Radiergummis, Lineale, Blöcke, Teddybären und Luftballons für die Kinder. Und eben mal eine Winterjacke für die Erwachsenen. Mein Gewissen ist beruhigt. Ich habe also wenigstens einen Menschen dort einmal kurzzeitig glücklich gemacht. Schön.

Es wird respektvollerweise nach einem Foto gefragt, oder es sein gelassen. Klar, die typischen Voyor-Fotos mit dem Megatele-Objektiv gehören wohl zu so einer Reise irgendwie auch dazu. Aber das ist auch ganz andere Art von Fotos. Fotografieren ist in Myanmar übrigens nie ein Problem. Mit anderen Worten: Du befindest dich in dem Land in einem Fotohimmel. Dennoch: Die Fotos mache ich ja auch in erster Linie für mich selbst. Als Erinnerung und nicht als Aufgabe oder Zwang. Zwang und Fotografie harmonieren aus meiner Sicht nicht wirklich miteinander. Mich erschüttert es teilweise wie würdelos manche mit dem Fotoapparat umgehen. Liebe Westler mit euren fetten Equipment … Myanmar ist kein Fotografie-Freiwildgehege. Wie würde man sich hier in einer Kirche fühlen wenn am Sonntag früh ein Burmese einen beim beten wegfotografiert? Kommt nicht vor, gelle … schon klar. Denk mal drüber nach.

Bekannte Sehenswürdigkeiten gibt es Mandalay einige. Die bekannteste und für mich wohl eindrucksvollste war die U-Bein-Brücke in Amarapura (auf Birmanisch: Stadt der Unsterblichen). Mit 1.200 Meter die längste Teakholzbrücke des Planeten. In der Regenzeit liegt der Pegel des Wassers kurz unter den Laufplanken der Brücke, was man sich so erstmal gar nicht vorstellen kann. Gebaut wurde die Brücke im Jahr 1784. Reparaturen waren seitdem kaum notwendig. Amarapura ist eine Stadt 11 Kilometer südlich von Mandalay. Schnapp dir ein Mofataxi in Mandalay und du wirst in eine Atmosphäre von Frieden, Einsamkeit und Ruhe gehüllt wenn du diesen Ort noch vor Sonnenaufgang betrittst. Ganz wunderbar! In Mandalay sind wir 4 Tage.

 16.01.2013 – mit dem Boot von Mandalay nach Bagan
Inn Wa Guesthouse, 25$/Doppelzimmer mit Frühstück (view from balcony of Inn Wa Guest House in Nyaung U)

Wir fahren ca. 9 Stunden mit dem Boot nach Bagan. Ugh! Zum Glück ist es keine Nussschale. Wir sind zwar nicht auf dem Meer, aber zum ersaufen hätte die braune Suppe allemal ausgereicht. Der Irrawaddy ist ein Fluss beziehungsweise ein Strom in Südostasien. 2170 Kilometer zieht er sich durch autonome Gebiete von Tibet, der Volksrepublik China, durch den Südosten des Himalaya um dann nach Myanmar zu kommen. Viel zu sehen gibt es nicht. Die Landschaft ist flach und glänzt mit Kạrgheit. Der niedrige Wasserstand vom Irrawaddy trägt jedenfalls auch noch dazu bei. Wenn auch beruhigend, öde ist es auf die Dauer allemal.

Bagan – Die Stadt und die Region der tausend Pagoden soll sie sein. Ich finde Bagan toll. Von Anfang an. Manche Dinge sind einfach so, ohne sie groß beschreiben zu können. Wir mieten uns für einen lächerlichen Preis einen Tretesel. Drauf auf´s Fahrrad, das bei uns höchstens noch der Altmetallfritze möchte, und los geht´s. Schön ruhig ist es hier, obwohl man eine menge Touristen erwarten müsste. Gut, auf den Sonnenuntergangshotspots geht es trotzdem ganz schön ab. Da wird gedrängelt als gäbe es morgen keinen hellen Stern da oben mehr. Man fühlt sich plötzlich wie daheim. Schlagartig ;) In Bagan bleiben wir 4 Tage.


20.01.2103 – Yangoon
(Yangon-Division)
Chan Myae Guesthouse, 25$/Doppelzimmer mit Frühstück

Die frühere Hauptstadt, für mich aber eigentlich die Hauptstadt. Quirlig, es ist laut, die Luft steht förmlich, es stinkt, es gibt viele Menschen, jeder macht irgendwie was und du bekommst immer was zu essen. Immer. Glaub mir … immer! ;) Du hast verschiedene Nationalitäten und jede Menge Plunder. Plunder, Plunder, Plunder und noch mehr Kram und Zeugs. Das Gefühl als Exot durch die Gassen zu schlendern ist weder in Worte noch in Fotos zu fassen. Es geht einfach nicht. Wie es in Yangon ist? Toll! Eine Stadt der tausend Eindrücke. Ein Schmelztiegel der Kulturen. Leider gibt es noch keine Kamera mit Geruchssensoren und keine die letztendlich überhaupt das ganze look & feel aufnimmt. Ich glaube viele wissen was ich grad meine. Yangon gibt es nur in Live, oder gar nicht. Alles andere sind nur Schnappschüsse. Und ich glaube das ist vielleicht auch ganz gut so.

Die halbe Zeit war um und wir standen nun vor einer Entscheidung: Weiter nach unten in den Süden von Myanmar, oder rüber in den Westen an die Küste. Im Süden gibt es keine vernünftigen Strände. So waren zumindest unsere Gedanken. Es war auch weit und breit niemand da, den wir hätten fragen können, der schon im Süden war (und der auch wieder zurück kam ;). Kawthaung ist der südlichste Ort auf dem Festland in Myanmar. Vielen vielleicht besser als Victoria Point bekannt. Das klang gut und auch interessant, wäre da nicht die etwas problematische und ein wenig bürokratische Sache mit dem Grenzübergang. Wenn man hier so manche Foren ließt, scheint das ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Liegt anscheinend an der westlichen Kultur, erst mal alles etwas pessimistischer zu sehen, als es womöglich ist. Wie wäre es es einfach mal mit Vorort fragen?

Wir waren da, in ´den heiligen Hallen´ des Tourismus des Myanmar Travels & Tours (MTT), die erste, letzte und einzige offizielle Anlaufstelle für Menschen mit einem Rucksack auf dem Buckel.

Hallo, wir wollen da unten bei de Zipfel in Kawthaung rüber ins gelobte Land Thailand … am besten zu Fuß.

Frau am Schalter: Sie grinst und schüttelt den Kopf und meint … ´ohhh NOT POSSIBLE … !´. Und macht auch sonst ganz große Augen. Köstlich ;) Einige Stunden Gespräche und ein paar Kaffee später: Es ist möglich. Oh Wunder!

  • Stand Februar 2013: ja, es ist generell möglich und nicht nur generell. Es ist Möglich. Warum sollen auch die Mitarbeiter vom MTT was anderes behaupten?
  • Special Permit bisher nur bei MTT in Yangon erhältlich, du musst also persönlich dort sein
  • die Kosten: 65$ gleich in Yangon vorort und dann nochmals 15$ in Kawthaung
  • ca. 10 Tage Bearbeitung. Circa. Achtung wir sind in Myanmar! Das wird mit der Post runter in den Süden geschickt. Abenteuerlich! ;)
  • von Yangon nach Myeik ist die Reise für Touristen nur mit dem Flieger möglich (ca. 120-140$)
  • von Myeik nach Kawthaung ist die Reise für Touristen auch mit dem Boot möglich (ca.30$)

Zu offen scheinen mir manche Wunden in dem Land zu sein, doch Geld löst wie so oft viele Probleme. Da standen wir nun. Unser erster Gedanke: Wow ist das teuer! Ich erinnere mich noch an Stimmen die irgendwas von mehreren tausend Dollar für Betretungen von den einsamen Insel im Myeik Archipel erzählten. Und ich glaube, das dies auch authentisch war und es dort auch noch so ist. Geld regiert nicht selten die Welt und in diesem Archipel ist wohl ganz viel Geld zu holen. Es gibt schließlich genug wohlhabende Menschen auf diesem Planeten, die sich das gerne mal ganz exklusiv ansehen möchten. Die Flecken wo man noch so eine grandiose, unberührte und intakte Natur,- und Unterwasserlandschaft findet, werden immer seltener. 800 Inseln sollen es da unten sein. Seit dem zweiten Weltkrieg quasi von der Außenwelt isoliert, verborgen und versteckt. Mit fast 30.000 Quadratkilometern gilt die Region wohl als eines der reizvollsten Reiseziele Südostasiens. Grandios. Oh man! Das Land und die Menschen dort dürfen aus meiner Sicht zurecht stolz darauf sein. Nicht nur auf die z.B. selten gewordenen und wunderbaren Nashornvögel. Wer so einen Riesen selbst mal in freier Natur gesehen hat und nicht sofort das Gefühl von ´wir sind nicht alleine auf diesen Planeten´ bekommen hat, lebt womöglich ein falsches Leben. Wir erinnern uns mal: Wenn die Erde einen Tag, also 24 Stunden alt wäre …  dann wäre die Menschheitsgeschichte des homo sapiens weniger als 2 Sekunden alt. Das bedeutet also das unser geliebter Planet 23 Stunden, 59 Minuten und 58 Sekunden auch ohne uns Menschen zurechtgekommen wäre. Dummerweise vielleicht auch sogar ganz gut, oder vermutlich noch besser. Zeit zum nachdenken …

Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.
[Mahatma Gandhi]

Wir verlassen das MTT-Büro und brechen Spontan unsere weitere Reise in den Süden ab und blicken in den Westen. Denn da soll es auch toll sein … die Abendsonne scheint auf die gut 40 Meter hohe Sule-Pagode und wir trinken erstmal gemütlich ein Zuckerrohrgetränk. Der einheimische Rum ist auch ganz lecker. Der kommt jetzt da rein ;) Der Satz den ich bei uns nur allzu oft höre „ich habe doch keine Zeit“ ist hier nicht nur fehl am Platze, sondern auch grad eben ziemlich irrelevant. Freiheit pur, ganz wunderbar ist das. Nimm dir die Zeit im Leben, hier und jetzt, sie kostet dir nichts, außer Zeit … 3-4 Tage sind wir in Yangoon.


24.01.2013 – mit dem Bus nach Pathein
(Irawadi-Division)
– Taan Taan Ta Guesthouse, 18$/Doppelzimmer ohne Frühstück

Wir fahren mit dem Bus von Yangon nach Pathein. Mit feiner Musik im Ohr schaue ich mir die karge Landschaft und die ärmsten der ärmsten an. Meine Güte, geht es mir gut in Deutschland! Wo waren doch gleich meine Probleme? Sie sind jedenfalls gerade eben schlagartig weg. Vor Pathein werden wir vom Militär und/oder der Behörde kontrolliert. Wir wissen es nicht genau. Wir waren die einzigen Westler in dem Bus, das sorgt schon mal für Aufsehen. Kein gutes Gefühl wenn plötzlich das Heiligtum eines reisenden aus dem Bus transportiert wird – dein Reisepass. Wie auch immer, nach einer kurzen Pause geht es weiter. Die Fortbewegung in diesem Land ist also bisher weiterhin kein Problem.

Pathein ist noch toller als Yangon und Mandalay. Woohhhw! Genau so hatte ich mir Myanmar dann konkret vorgestellt. Yes! Eine Stadt die eher mit sich selbst beschäftigt ist, aber auch irgendwie noch im Dornröschenschlaf steckt. Alles ist sehr flach. Große hohe Gebäude? Hier nicht! Dafür aber breite Straßen. Da ist nicht nur Platz für gefühlte 1Million Mopeds und Fahrräder, sondern auch für das alles was sich auf einem Boden halbwegs fortbewegen kann. Klappt schon. Auch der Bus aus den 50er Jahren kann geschoben werden. Denn eins scheint hier quasi unendlich zu sein: Zeit. Die feine Ironie, genau das von dem wir im Westen nicht selten mehr bräuchten. Zeit für das Leben, für die vielleicht eher kleineren und spontaneren Dinge im Leben. Die Sachen die eben ungeplant und ohne Zwang passieren …
In Pathein wird gekauft, verkauft, getauscht, verschoben, gebaut, gehandelt, gepaddelt, gewartet und Tee getrunken. Alles passiert hier wie wie von selbst. In der Ruhe liegt die Kraft, spätestens jetzt kapiere ich was mir der Satz denn nun eigentlich sagen möchte. Gemüse, Obst, Hühnerbeine, Kokosnussmilch, getrockneter Fisch, Bambusrohr, Buddha-Flaggen, Sonnenschirme für Frauen (welche zum herumtragen), 46″ Nachbau Samsung Fernseher und 1001 andere Dinge. Ganz tolles Zeugs, oder einfach nur unglaublicher Plunder. Und vielleicht das wichtigste von allem: Nichts passiert ohne dickes grinsen in den einheimischen Gesichtern. Ich hatte selten mehr vom ´you are welcome´ Gefühl wie hier. Beeindruckend und zum verbeugen. Ehrlich.

Von jung bis alt ist alles dabei. Eher jung als alt. Von modern bis sehr modern und zurück zum 19. Jahrhundert ist alles dabei. Kinderarbeit live miterleben geht hier leider ganz besonders gut. Shame on it, aber anders geht es wohl oft nicht. Das Kind betreibt die Kaffebar, die Eltern sind auf dem Feld. Zigaretten gibt es übrigens auch einzeln in den einheimischen Straßenkneipen. Rauchen ist in Myanmar wohl den Männern vorbehalten. Keine Ahnung ob das nun eher ein gesellschaftliches no-go ist, oder eher was mit Luxus zu tun hat. Beides trifft wohl zu.

„O-Burma“ statt Obama. Weil, ´yes we can´ … Demokratie beim Starten zu erleben, auch hier ist das zu spüren. Jeder will, man spürt das irgendwie. Wie oft kam es vor das uns Menschen etwas mitteilen wollten, es aber wegen der Sprachbarriere nicht konnten. Schüchtern und doch extrem – wenn auch subtil – neugierig und das nicht nur bei Kindern. Irgendwie faszinierend, wenn auch wirklich schwer in Worte zu fassen.

Nur nach vorne blickend. Die Jugend von Myanmar kennt nur die eine Richtung: Die nach vorne. Genug Zeit verloren! Was war, das war , und was ist, das kann nur besser werden. Englisch sprechende und englisch lernende junge Menschen, neugierig wie schon weiter oben im Norden. Wahnsinnig nett sowieso! Soweit das Auge reicht, keine Touristen oder Westler. Auch keine Chinesen. Ausländer bzw. Westler haben wir in den drei Tagen in Pathein nur zwei gesehen. Mit einem Amerikaner haben wir kurz geplaudert. 300.000 Einwohner hat die Stadt. Keine Ahnung warum, aber für viele scheint die Stadt von Yangoon aus kommend nur als Durchreise für einen der westlichen Strände zu dienen. Dabei gibt es hier doch Myanmar pur, fast for free. Man muss es nur wollen.

Auch ganz coole uralte englische Bauten gibt es zu sehen. Für mich als lost place friend, sowieso immer ein Highlight. Das da noch Leute darin wohnen wird dir dann klar, wenn du plötzlich irgendwo im Wohnzimmer stehst. Bei uns, entweder Abrissbirne, oder Denkmalschutz. In Myanmar, Spielplatz, Gebetsort oder Wohnung der unteren Schicht. Alles wird irgendwie verwendet, sei es noch zu skuril, alt oder sonst irgendwie verwendbar. Und dennoch: Die Kehrseite ist auch hier zu sehen. Bilder die mein Auge eigentlich nur von Dokumentationen her kennt. 12 jährige Kinder die mit einem Hammer Steine für den Straßenbau klopfen. Handarbeit, aber sowas von. Erschreckend! Kinderarbeit Live. Spätestens jetzt vergeht dir deine gute Laune und du verliest mindestens einen Gedanken darüber wie gut es dir Zuhause eigentlich wirklich geht.

Wir machen uns mit der Fahrradrikscha auf die Suche nach einer Busstation die uns in den Westen an die Küste bringen soll. Wie wir erfahren haben ist dies die einzige Möglichkeit dort hin zu kommen. An der Busstation ahnen wir bereits … das nächste Highlight naht. Uuuhhha ! ;) In Pathein sind wir drei Tage.

26.01.2013 – mit dem Klapperbus zum Chaunghta Beach (Irawadi-Division)
Hill Garden Hotel
, 25$/Doppelzimmer Bungalow mit Frühstück

Strand. Endlich! Abhängen und abchillen unter mutters Sonne. Myanmar ist übrigens davon noch ziemlich weit entfernt. Was ich meine … Es ist nicht so wie in z.B. Thailand wo du deine gemütliche Hängematte alle zwei Meter hast. Vergiss es. Es hat drei Wochen gedauert bis ich die erste Hängematte gesehen habe. Unglaublich, oder? Mir kam es teilweise irgendwie so vor als hätten die Burmesen gar kein Bedürfnis und keine Sehnsucht nach richtiger Gemütlichkeit. Seltsam. Überall nur gnadenlos harte Stühle (für Kleinkinder), und auch sonst nur das aller nötigste. Dabei wäre mit wenig Aufwand so viel möglich. Die Zeit wird es richten, denn die Prioritäten in dem Land liegen ganz wo anders. Dennoch: Tourismus – wenn auch noch kein Massentourismus – ist für viele Menschen dort ein wichtiger Anlaufpunkt um sich selbst und die eigene Familie zu ernähren.

Da war er also, der Golf von Bengalen. Nach mehr als 3 Stunden Höllenritt von Pathein aus per Bus. Wir hatten die Premium Plätze: auf Reissäcke oder auf dem Boden sitzend, ganz hinten. Während die einheimischen „bequem“ auf den Sitzen lachend ihren Gesang ihn fahrt gebracht haben. Mal gewinnt man, mal verliert man. Heute hatten wir definitiv mal verloren ;-). Nach der Ankunft sind aber sofort alle Qualen verflogen, denn es schnuppert nach Meer. Ich höre das Meer rauschen und alles wird gut. Mein heimlicher Traum vom Strand in Myanmar wird wahr … alles ist gut.

Chaunghta Beach ist einer von vier gelisteten Stränden eines bekannten Reiseführers mit oranger Farbe. Während der Ngpali Beach eher was für das Massenvolk ist, ist Chaunghta Beach eher was für jemanden der auch mal genau das Gegenteil wünscht. Wir finden das Garden Hill Resort. Schicke neue, große und saubere Rattan/Bambushütten für 25$/Nacht. Frühstück ist dabei. Alles klar, here we go!

Wie so oft gibt es zwei Seiten bei einer Medaille. Einen Top erschlossenen Strand mit jeden erdenklichen Kram zu haben soll toll sein. Ich brauche ihn aber nicht, denn ich bevorzuge was anderes. 100% Natur könnte man sagen. Am wunderbaren Chaunghta Beach halten wir uns 4-5 Tage auf.

30.01.2013 – mit dem Klappermoped zum Ngwesaung Beach (Irawadi-Division)
Shwe Hin Tha Hotel, 20$ (25$) Strandbambushütte mit Frühstück

Das Bamboo Bungalow für 20$ die Nacht. Ab dem 01.02.wohl immer aber 25$. Gleiche Leistung aber höherer Preis. Pff.

Mit 125ccm gehts es in ca. 2 Stunden von einem Strand zum anderen. Ca. 25km südlich vom eher naturbelassenen Chaunghta Beach liegt der Ngwa beach. Unser Tempo wird langsamer … ankommen, nichts tun, verweilen, einfach sein. Das fällt hier dann auch nicht mehr wirklich schwer. Essen, trinken und schlafen. Genug für eine weile. Alles ist gut. Kein Wunder, befindet man sich doch mitten im Paradies.

Myanmar ist toll. Es gibt bisher für mich kein anderes Land das so herzlich ist und eine so grandiose echte Freude aus den Hut zaubern kann wie Myanmar es kann. Ein kleiner fader Beigeschmack bleibt. Unterkünfte unter 15 US-Dollar wie man sie sicher in anderen Südostasiatischen Ländern findet, sucht man hier eher mit der Lupe. Alle reisenden hatten quasi das gleiche Leiden. Diejenigen die seit Jahren nach Myanmar kommen berichteten von Unterkünften von 2$. Zwei … ähm, ja ;-). Eine mindestens Verdopplung des Preises in den letzten 2 Jahren war aber immer heraus zuhören. Wow. Wie weit das Spiel noch so weiter getrieben wird entscheiden hoffentlich die Gäste. Was am Ende bleibt ist wie immer eine gewisse Leistung für einen Betrag x. Sollte die Leistung irgendwann nicht mehr passen, bleiben sicherlich (oder hoffentlich) die Gäste aus und das ganze kommt vielleicht dann wieder ins Lot. Bei uns waren jedenfalls Zimmer dabei, die waren das Geld nicht wert, und das soll in so einem Land schon was bedeuten. Manche Besen haben in Deutschland eine bessere Herberge als wir in den Zimmern hier in Myanmar. Das ´Than than tata´ in Pathein ist so ein Negativbeispiel. Junge junge. Es soll im ersten Stock aber besser sein, wir waren ganz oben, Kategorie: nicht nur only kaltes Wasser, sondern gar kein Wasser. Was da außerdem im Nebenzimmer nachts los war, will ich bis heute lieber nicht wissen! Nichts wie weiter.

Ob nun irgendwelche chinesische Investoren nicht genug bekommen können, das Militär im Land zu lange Finger hat oder die Hotelbetreiber sich zur Zeit doch zu weit aus dem Fenster lehnen … ich hab keine Ahnung. Vielleicht spielt alles ein wenig mit rein. Was ich übrigens in so einem armen Land in einem 180$ Zimmer soll, erschließt sich mir nicht wirklich. Jetzt mal unabhängig von einem Preis der schon bei uns irgendwie fruchtlos erscheint. Myanmar ist keine blitzplanke Hotellobby, bei der man sich die Buttler von Hals halten muss, denn das Lachen und die Freundlichkeit in so einem Museum ist gekauft und das scheint mir zu ungerecht verteilt zu sein. Myanmar ist anders. Erleben kannst du es nur auf einer anderen Ebene, und die ist viel weiter unten angesiedelt … Spätestens jetzt brauchst du aber doch ein wenig Mut. Mein Tipp: Trau dich! Du wirst es nicht bereuen, denn so eine tiefe Freundlichkeit umgeben von einer – leider – so endlosen Armut hast du noch nicht gesehen. Das gute: Diese Lebenserfahrung wird dir auch keiner mehr nehmen. Egal, welche Erfahrung du auch immer machen wirst.

120$ für 256/64 kbit/s über Satellit. 480$ für 512/128 kbit/s. So lauten die Preise für das Internet hier. Noch fragen? Keine? Okey! Soweit wir das mitbekommen haben sind aber alle großen Seiten auch verfügbar. The great firewall of Myanmar bleibt also erstmal aus. Gut für alle. Da haben andere Länder – wie z.B. China – ganz andere Probleme. Die jungen Leute wollen und brauchen Internet. Da wächst eine ganz neue und andere Generation heran, denen man aus ganzen Herzen eine ganz große Portion an Glück mitgeben möchte. Ganz großartige junge Menschen sind das. Überhaupt sind es die Menschen die das Land so prägen … toll! Ich kann mich ja immer nur wiederholen. Übrigens: In Myanmar ist es z.B. verboten, einen Facebook-Account zu haben, weil dort die Meinungsfreiheit weiterhin eingeschränkt ist. Unglaublich.

Ich bin irgendwas um die 11 Tage am Strand von Myanmar und habe es keine einzige Sekunde bereut …

Mit dem Bus geht es dann zurück nach Yangon und mit Air Asia am gleichen Tag zurück nach Bangkok und irgendwo dann auch wieder zurück ins 21. Jahrhundert. Wir nutzen noch ein paar Tage um in Bangkok zu shoppen und abzuhängen. Wobei abhängen in der Stadt mir immer extrem schwer fällt. Die Gedanken schweifen beim Heimflug hin und her und ich muss plötzlich an den Spruch aus Afrika denken …

Um sein Leben zu ändern, ist es nie zu spät.

Schön nicht nur zu sehen, sondern auch zu erleben das andere Menschen mit viel viel weniger, dennoch nicht weniger Lebensfroh sind. Himmel, da müssen wir uns Westler im allgemeinen aber sowas von anschnallen, fast schon peinlich das Ganze. Manchmal zumindest! Meine Güte, der Kratzer auf dem Luxusauto oder auf dem Telefon, ist nicht der Mittelpunkt im Leben. Für manche anscheinend wohl doch. Schade, denn diese Verbissenheit tut manchmal nicht gut. Ich hab ja nun schon ein bisschen was auf diesem Planeten gesehen. Doch diese Freundlichkeit, Herzlichkeit und diese nicht gespielte, also echte Freude der Menschen in diesem tollen Land wird kein anderes Land so schnell toppen können. Ich glaube das könnte der Höhepunkt für lange Zeit gewesen sein. Einfach nur großartig! Ich bin glücklich, im Einklang mit mir selbst und erinnere mich an diese tollen Worte … !

7 Rules of Life

  1. Make peace with your past (so it won’t screw up your present).
  2. What others think of you is none of your business. Their opinion really doesn’t matter in the larger scheme of things.
  3. Time heals almost everything. Give it time.
  4. Don’t compare your life to others. Don’t judge them. You have no idea what their journey is all about.
  5. Stop thinking too much. It’s all right not to know the answers. They will come to you when you least expect it.
  6. No one is in charge of your happiness, except you.
  7. Smile. You don’t own all the problems in the world.

Was soll ich sagen? Wow Myanmar! Ich hab mich quasi fast in dich verknallt ;)
Liebes burmesisches Volk. Ihr seit einfach wunderbar! Ich danke für die herzliche Aufnahme in euer Land und wünsche euch viel Glück für die Zukunft!

Jetzt hast du so viel Text gelesen und nun bist du (vielleicht) enttäuscht. Enttäuscht darüber das du letztendlich so wenig über das Land erfahren hast. Nun, 3,4,5 oder auch 6 Wochen sind viel zu wenig für ein Land. Den typischen Reisebericht hast du also hier nicht gelesen. Sorry about that, aber das war auch überhaupt nicht meine Absicht. Reiseberichte schreiben können andere dann auch viel besser als ich. Sei (d)ein eigener Reisebericht, sei (d)ein eigener Reiseführer. Sei (d)ein eigener Held und schaue dir das alles selbst an … , mache alles anders, besser oder schlechter. (D)ein Glück wird von selbst kommen, oder dich finden. In diesem Sinne:

Do what you like. Like what you do. Life is good, because optimism can take you anywhere.

Eine Sache noch zu den Fotos die hier zu sehen sind
Die Fotos sind nur ein Abriss der Wirklichkeit. Es sind nur Fotos und es ist auch nur eine kleine Auswahl der ganzen Reise. Ich hab die Auswahl nicht nach ´gute´ oder ´schlechte´ Fotos getroffen. Alle Fotos erzählen letztendlich eine Geschichte. Ob sie nun groß oder klein für dich ist … das entscheidest du. Du als neutraler Betrachter. Das ich bestimmte Fotos mit besonderen Geschichten und Gefühlen assoziiere, sollte jedem klar sein. Myanmar und jedes andere Land wirst du wohl doch nur Live erleben können. Es gibt einen Reisebericht von uns beiden. Dort erzählen wir auch ausführlicher über das Land. Was uns alles passiert ist und welche Eindrücke wir mit nach Hause gebracht haben. Wir haben immer ein offenes Ohr für Anfragen jeglicher Art. Vielleicht gibt es ja eine Plattform für einen Vortrag.

Hier nochmals alle Übernachtungen im Überblick. Eventuell hilft das ja jemanden

Mandalay
Power Hotel, 60$/Doppelzimmer mit Frühstück
Venus Hotel, 25$/Doppelzimmer ohne Frühstück

Bagan
Inn Wa Guesthouse, 25$/Doppelzimmer mit Frühstück

Yangon
Chan Myae Guesthouse, 25$/Doppelzimmer mit Frühstück

Pathein
– Taan Taan Ta Guesthouse, 18$/Doppelzimmer ohne Frühstück

Chaunghta Beach
Hill Garden Hotel, 25$/Doppelzimmer Bungalow mit Frühstück

Ngwe Saugn Beach
Shwe Hin Tha Hotel, 20$ (25$) Strandbambushütte mit Frühstück

Auch noch lesen,- und sehenswert

Fantastische Fotostrecke von The Big Picture – Boston

´Urlaub´, aber bitte richtig ;)

Und … welche Ausrüstung hattet ihr dabei?

Vielleicht auch kurz zur Technik. Sicherlich, darüber könnte man ne Menge Zeugs schreiben. Wollte ich aber nicht, denn hier sollte es um das Land gehen. Technik ist Mittel zum Zweck und das wird es (für mich) immer bleiben. Die Gratwanderung zwischen Gewicht, Größe, Mobilität, Flexibilität, Qualität und zu guter Letzt dem Preis ist immer vorhanden, egal welches Equipment nun an deiner Hand klebt. Gut ist, was taugt, was dir und einem selbst taugt! Außer du wirst dafür bezahlt und jemand gibt dir die Zeit, dann zieh ich gerne mit 12 Kilo durch den Urwald. Oder so ähnlich … ;)

Wir können nur folgende Aspekte zusammenfassen … Wir waren letztes Jahr in Vietnam/Kambodscha/Thailand mit DSLR´s unterwegs. Eine EOS60D und eine EOS500D. Objektive waren es 3 oder 4, mit durchaus hochwertigen Linsen. Wir waren auch wieder zu zweit unterwegs. Unterm Strich war das schon in Ordnung. Die Ergebnisse blieben weitestgehend auch in unseren Vorstellungen. Allerdings sollte man sich dann von absoluter Mobilität, Flexibilität und geringem Gewicht lösen. Eine GX1 mit einem 20mm Pancake ist eben eine ganz ganz andere Liga, eben genau hinsichtlich dieser 3 Punkte. Abends gemütlich mit einem Hüftgurt mit weniger als 400gramm durch die Gassen zu Schlendern und zu wissen das man durchaus sehr gute Fotos mit dem Teil machen kann, beruhigt ungemein und macht obendrein auch noch ne Menge Spaß! Eine midrange DSLR ist ca. mit dem doppelten Gewicht dabei, ohne Objektiv versteht sich. Den größten Vorteil an so einer kleinen Kamera sehe ich eben in der Tatsache das du vielleicht dort Fotos machst, die du mit deinem schweren Klopper erst gar nicht gemacht hättest … weil eben deine Kamera nicht am Mann ist, weil … ja, weil … ist ja auch völlig egal … denn du hast das Foto erst gar nicht gemacht. Punkt. Du merkst also schon, die Entscheidung nimmt dir keiner ab. Das eine dicke Vollformat Kiste mit einem f1,2 bessere Fotos macht, sollte auch jedem klar sein. Die Frage ist nur welchen ´Preis´du dafür hinlegen möchtest. Davon ab: Man ist ja auch irgendwie im Urlaub, das sollte man dabei auch gar nicht vergessen. Und das meine ich durchaus ernst. Reisefotografie ist ja auch irgendwie gesondert zu behandeln. Vielleicht zählt ja auch nur das live gesehene und nicht das aufgenommene … auch diese Entscheidung oder Erfahrung muss du selbst machen. That’s life, and life is wonderful!

Wir waren mit zwei Panasonic DMC-GX1 unterwegs. Die Linsen waren:

Unterm Strich bleibt zu sagen: Unsere Erwartungen wurden weitestgehend erfüllt und wir sind durchaus glücklich und zufrieden mit den Ergebnissen, denn ehrlich muss man bleiben. Es hätte sicherlich besser sein können. Allerdings auch schlechter.

Du hast fragen? Stelle sie mir! Egal welche. Entweder hier direkt darunter als Kommentar oder auch per E-Mail oder per Kontaktformular.

6 Kommentare

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„Die wahre Lebenskunst besteht darin,
im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.“

Das ist dir auf deiner Reise einfach mehr als gelungen. Glückwunsch zu den großartigen Fotos!

Klasse Bericht, ich habe eine Antwort:

>Das soll Urlaub sein?

Urlaub nimmt man von der Arbeit, damit man abschaltet.
Viele brauchen dafür Strand oder Luxus und relaxen…
…. andere gehen auf Reise und erleben das Leben in der Ferne,

Alle kommen entspannt wieder zurück, mal klappt das mal war es doch nicht so wie man sich vorgestellt hat…

Ich gehe also auf Reise während meine Urlaub.

Myanmar war auch dabei, ist ein sehr interessantes Land mit freundliche Leute, dein Post hat mich nochmals an der Zeit dort erinnert.

Grüsse,
Vincent

PS: auf meine Webseite stehen die Bilder von meine Reisen, am einfachsten unter „Galleries“.

Ich kann nur sagen: Ich gehe nicht in den Urlaub um mich zu erholen – ich gehe in den Urlaub um etwas zu erleben! Ich muss mich erst gar nicht (wirklich) erholen, denn ich achte sehr darauf kein Leben zu führen um das erst zu müssen.

Danke für deinen Kommentar.

Ich muss schon sagen … du bringst es absolut auf den Punkt. Ich bin nach solchen Reisen nie wirklich körperlich erholt – jedoch aber immer emotionell und mental. In der Tat.

Körperliche Erholung bekomme ich wenn ich einfach mal 10 Stunden schlafen muss, oder möchte. Das war bei mir nie das Thema.

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